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Hier ruhen 22 Genossen, zu Tode gequält ...
Gedenkschrift für die Opfer der Zwangsarbeit in Witten, 1941-1945
Martina Kliner-Fruck, Siegfried Pape
"... vergessen kann man das nicht!"
Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus
1991. 453 S., 20 x 21 cm, 189 s/w-Fotogr., 7 Tab.
Fest gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-924517-44-1, € 20,35
Vergriffen, keine Neuauflage

Textauszüge nicht verfügbar        Buchbeschreibung
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Zu diesem Buch
Mit diesem Buch wird eine dreijährige konzentrierte Erforschung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung Wittens dokumentiert. Erste Ergebnisse der 1979/81 begonnenen und seit dem Frühjahr 1988 intensivierten Studien wurden zum 50. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 in der Ausstellung Jüdisches Leben in Witten 1800-1945 vorgestellt. Jetzt wird eine in der Erforschung jüdischen Lebens unter dem Nationalsozialismus wohl einzigartige Darstellung der Biografien fast aller jüdischen Bürgerinnen und Bürger einer deutschen Stadt vorgelegt.
Die Konzeption ihres Buches stellen die Autoren in der Einleitung vor: "Die kalte Anonymität der zu Vernichtungszahlen geronnenen Einzelschicksale erleichtert die Verdrängung des Völkermordes. ... Das vorliegende Gedenkbuch versteht sich als ein Beitrag zu(r) ... notwendigen Erinnerungsarbeit. Die in ihm enthaltenen Forschungsergebnisse sollen in einem ersten Schritt den jüdischen Opfern der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik in Witten ihre Namen wiedergeben. Damit gewinnen sie ihre Individualität zurück, die ihnen durch die Nationalsozialisten genommen worden war."
Den ersten Hauptteil des Buches bilden 813 Kurzbiografien jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1853 und 1945 in Witten lebten. Die Biografien sind in alphabetischer Ordnung der Familiennamen aufgeführt und enthalten soweit ermittelt neben den Geburts- und Sterbedaten Angaben über Herkunfts- und Wegzugsgemeinde, Eltern, Schulbesuch, Beruf, Ausbildungs- und Arbeitsstätte sowie die Stationen von Flucht, Vertreibung oder Deportation. 126 Fotografien und 54 Reproduktionen von Dokumenten erinnern an die Menschen und ihre Schicksale. Die Angaben sind für jede Einzelbiografie wiedergegeben und bieten so vor allem der familiengeschichtlichen Forschung detaillierte Anhaltspunkte.
Die Geschehnisse des Holocaust haben dazu geführt, dass die für die einzelnen Biografien zur Verfügung stehenden Informationen sehr unterschiedlich sind. Nur bei ausgesprochen guter Quellenlage oder für die Überlebenden, die zu näheren Auskünften bereit waren, ließ sich der Lebensweg ausführlicher darstellen. Viel zu oft endet ein Eintrag daher mit dem Hinweis: "Der weitere Lebensweg von ... war nicht zu ermitteln." Herausgeber und Autoren hoffen, dass sich viele dieser Lücken nach der Veröffentlichung des Buches werden schließen lassen.
Im zweiten Hauptteil des Buches kommen Überlebende der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie selbst zu Wort. Die Intention dieses Verfahrens erläutern die Autoren in der Einleitung: "Selbstzeugnisse und lebensgeschichtliche Interviews vermitteln ... einen Eindruck von der Dimension der subjektiven Alltagserfahrung. ... Der Verfolgungs- und Vernichtungsprozeß wird konkret nachvollziehbar, die Betroffenen werden zu Individuen, deren Einzelschicksale sich nicht in der Anonymität angehäufter Daten verlieren."
In den Abschnitten
– Diskriminierung im Alltag,
– Rassische und politische Verfolgung,
– Novemberpogrom 1938,
– Emigration und Flucht,
– Deportation,
– Zwangsarbeit und Konzentrationslager,
– Befreiung
lassen die Betroffenen in erschütternden Erzählungen eine Vergangenheit wieder aufleben, die dem heutigen Leser unfassbar erscheint und dennoch für jüdische Bürger der Alltag war: Verachtung, Demütigung, Verelendung und Vernichtung. Erst wer diese Selbstzeugnisse gelesen hat, kann ermessen, was die Zielsetzung der Herausgeberin umfasst, "... daß ohne die Bereitschaft zur Erinnerung eine Versöhnung nicht möglich sein kann."
Eingeleitet wird das Buch durch eine statistische Auswertung der in den Kurzbiografien vorgestellten Lebensläufe. In 7 Grafiken, 7 Tabellen und 2 Karten wird das Schicksal der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Wittens dargestellt.
Den Anhang leitet das Quellenverzeichnis ein, das einen Eindruck von der ungeheuren Materialfülle bietet, die für diesen Band zu bewältigen war. Nach einem Literatur- und Dokumentenverzeichnis folgt das detaillierte Orts- und Länderregister, das dem forschenden Benutzer die Herkunfts- und Verbleibeorte der in den Biografien Genannten unmittelbar erschließt. Dabei erleichtert die zusätzlich zum Ortseintrag beim Ländereintrag vorgenommene Aufnahme aller zugehörigen Ortsnamen der internationalen Forschung den Zugang zu diesem Werk.
Im Resümee ist dieses Buch nicht nur ein Appell zur Besinnung an die Wittener Bevölkerung und die durch die politischen Ereignisse unmittelbar betroffenen Einwohner der Nachbargemeinden des Ruhrgebietes (insbesondere Bochums, Dortmunds und Essens). Es ist darüber hinaus durch seine methodische Konzeption eine beispielgebende Studie, wie die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung unter dem Nationalsozialismus grundlegend erforscht und einem breiten Leserkreis so dargestellt werden kann, dass ihm eine Identifikation mit ihrem Ziel, Erinnerung als Grundlage für die Versöhnung zu schaffen, hergestellt werden kann. Daneben ist es wegen seiner Materialfülle ein hilfreiches Handbuch für die regional- und zeitgeschichtliche, die genealogische wie die sozial- und religionsgeschichtliche Forschung.
Der Inhalt
Vorwort · Einleitung · Teil 1: Biographien · Teil 2: Selbstzeugnisse · Anhang [Quellenverzeichnis; Literaturverzeichnis; Dokumentenverzeichnis; Photoverzeichnis; Orts- und Länderregister]