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Auswärtige Politik und internationale Beziehungen im Mittelalter (13.-16. Jahrhundert)
Dieter Berg
England und der Kontinent
Studien zur auswärtigen Politik der anglonormannischen Könige im 11. und 12. Jahrhundert
1987. 639 S., 25 x 17,5 cm
Kartonierte Ausgabe: ISBN 978-3-924517-18-2, € 61,50
Lieferbar

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Zu diesem Buch
Das überkommene Geschichtsbild vom Mittelalter geht – besonders in der deutschen Forschung – von einer Vormachtstellung des Deutschen Reiches bis zum Späten Mittelalter aus und weist den Ländern in West- und Osteuropa nur eine 'Randstellung' zu. Welches Defizit an Bewusstsein von den politischen Kräfteverhältnissen im mittelalterlichen Europa diese unausgesprochene Konzentration auf das Kaiserreich und den deutschen König hinterlassen hat, erhellt die vorliegende Studie, die unter extensiver Benutzung der zeitgenössischen Quellen und der neuen historischen Forschung für den Zeitraum von ca. 1060 bis ca. 1160 erstmals eine ausführliche Dokumentation der Beziehungen der europäischen Herrscher vorlegt. Aus diesen Untersuchungen ergab sich als zentraler Leitgedanke für die Bewertung der Machtstrukturen im Europa des 11. und 12. Jahrhunderts die Existenz von 'Außenpolitik', welche die Rolle der englischen, französischen und deutschen Herrscher im Hohen Mittelalter in einem neuen Licht erscheinen lassen. Mit dem Nachweis eines multizentral organisierten Bündnissystems, in dem den englischen Herrschern eine konstitutive Bedeutung zukam, wird die Vorstellung einer notwendigen Verknüpfung von 'außenpolitischem Handeln' und der Existenz souveräner Staaten aufgelöst. Insbesondere die Analyse der Diplomatie König Heinrichs I. von England und seiner Konzeption eines hegemonialen angevinisch- anglonormannischen Reiches führt zu der Schlussfolgerung, dass sich mit der Einführung des Begriffs 'Außenpolitik' in die Betrachtung der politischen Verhältnisse schon ab dem Hohen Mittelalter neue Erkenntnisse für die mediävistische Forschung – und darüber hinaus für unser Geschichtsbild vom Mittelalter – gewinnen lassen.
So ergibt sich, dass die Bedeutung des Kaisertums und der deutschen Könige im Hohen Mittelalter einer Revision unterzogen werden muss: Ihre politische Funktion wird angesichts der durch König Heinrich I. von England begründeten ökonomischen und militärischen Überlegenheit der anglonormannischen Könige stark relativiert. Das größere Gewicht im europäischen Kräftespiel, das den englischen Herrschern zugeschrieben werden muss, beruht auf dem von ihnen geschaffenen Finanz- und Verwaltungswesen, dessen Relation zur politischen und ökonomischen Potenz des jeweiligen Herrschers erstmals für den beschriebenen Zeitraum nachgewiesen wird. Verbunden hiermit ist die Rückständigkeit der finanz- und verwaltungstechnischen Strukturen im Römischen Reich, welche die politische Potenz und den Handlungsspielraum der deutschen Herrscher beschnitt und so die Krise des deutschen Königtums und des römischen Kaisertums im Spätmittelalter mit bewirkte.
Auf dieser sozioökonomischen Grundlage haben die englischen Könige zur Sicherung und Ausweitung ihrer Einflusssphären ein Geflecht außenpolitischer Beziehungen errichtet, deren Bestimmungsfaktoren nachgewiesen und deren Mittel und Techniken analysiert werden. Welche Bedeutung in diesen Beziehungen den Universalgewalten – insbesondere dem Papsttum – zukam, wird in der vorgelegten Studie erörtert. Hierbei rücken auch die Herrschaftsideologien der west- und mitteleuropäischen Regenten ins Blickfeld, deren Grundelemente aufgeschlüsselt und in ihrer Bedeutung für die zeitgenössische politische Entwicklung gewürdigt werden.
Im Resultat legt die Studie eine zeitgemäße Darstellung der 'Ereignisgeschichte' der wichtigsten Reiche in West- und Mitteleuropa unter Berücksichtigung der Interdependenz von innen-, kirchen- und außenpolitischen Entwicklungen vor. Sie entwickelt ein neues Bild vom mittelalterlichen Europa und der Bedeutung der verschiedenen Reiche für die wichtigen politischen, kulturellen und sozialen Entwicklungen im Hohen Mittelalter. Sie enthüllt dabei, welches Bild von den 'Deutschen' die außen- und kirchenpolitischen Entscheidungen der römischen Kaiser in den Ländern Westeuropas hinterlassen haben: Das 'Negativ-Image' der Deutschen in diesen geopolitischen Räumen hat Tradition.
Die Fülle des vorgelegten Materials und seine Aufarbeitung unter dem Gesichtspunkt der Neubewertung als außenpolitisches Handeln macht dieses Werk zu einem unentbehrlichen Handbuch für alle direkt oder indirekt angesprochenen Fachgebiete.
Der Inhalt
1. Einleitung · 2. Die außenpolitischen Maßnahmen der anglonormannischen Herrscher im Rahmen des gesamteuropäischen Beziehungsgeflechts [2.1 Grundlagen; 2.2 Konsolidierung; 2.3 Intensivierung und Expansion; 2.4 Stabilisierung und Defension] · 3. Strukturanalyse der außenpolitischen Bündnissysteme in Europa im 11. und 12. Jahrhundert [3.1 Die Herrschaftsgrundlagen des englischen Königs in ihrer Bedeutung für das außenpolitische Handeln der anglonormannischen Monarchen; 3.2 Herrschaftsideologie und politische Rahmenbedingungen für das außenpolitische Handeln der anglonormannischen Könige; 3.3 Die außenpolitische Bedeutung der Universalgewalten im 11. und 12. Jahrhundert; 3.4 Bestimmungsfaktoren des außenpolitischen Handelns der anglonormannischen Herrscher; 3.5 Mittel und Techniken des außenpolitischen Handelns der anglonormannishen Herrscher; 3.6 Das außenpolitische Handeln der anglonormannischen Könige im Rahmen der zeitgenössischen Bündnissysteme] · 4. Schluß und Ausblick · 5. Abkürzungen · 6. Quellen und Literatur · 7. Personenregister